Meiner Meinung nach erleben wir gerade die Geburt einer völlig neuartigen Volksbewegung. Es gibt keine bestimmenden Führer oder Organisationen. Es gibt ein neues Bewußtsein der Volksmassen, dass ihre Stärke in ihrer Zahl besteht und dass sie keine Elite brauchen, um ihre Angelegenheiten selber zu regeln. Genau das aber bereitet den Eliten große Kopfschmerzen: da ist keine Organisation oder Führer, über die sie die Bewegung hijacken können, sonst wäre Mubarak längst weg.
Der US-Stratege Brzezinski hat dieses in einer Rede vor dem Council of Foreign Affairs in 2010 genau erkannt:
Er faßte seine Befürchtungen so zusammen:
“Die großen Weltmächte, die neuen und die alten, sehen sich auch einer neuen Realität gegenüber: Während das Tötungspotenzial ihrer militärischen Macht größer ist als je zuvor, befindet sich ihre Fähigkeit, den politisch erwachten Massen der Welt eine Kontrolle aufzuzwingen, auf einem historischen Tiefststand.
Rundheraus gesagt: Früher war es einfacher eine Million Menschen zu kontrollieren, als eine Million Menschen zu töten; heute ist es ungleich einfacher, eine Million Menschen zu töten, als eine Million Menschen zu kontrollieren.“
http://www.youtube.com/watch?v=oDBlABD01U0&feature=player_embedded
Eine deutsche Übersetzung des Artikels von Paul Watson zur Rede Brzezinskis findet ihr hier:
http://www.propagandafront.de/160960/das-von-brzezinski-befurchtete-weltweite-erwachen-der-massen-ist-jetzt-da.html
http://www.propagandafront.de/160960/das-von-brzezinski-befurchtete-weltweite-erwachen-der-massen-ist-jetzt-da.html
Spätestens seit Stuttgart 21 dürfte klar sein, dass es überall unter der Oberfläche brodelt und oft nur ein Tropfen reicht, das Faß zum Überlaufen zu bringen. Aus dem Stand waren plötzlich über 100 000 auf der Straße in einer Stadt von 600 000 einwohnern. Tunesien und Ägypten sind nur das Wetterleuchten am Horizont. Das tapfere ägyptische Volk zeigt welche Fähigkeiten die Massen entwickeln können gegen alle Widerstände.
Die Welt steht an einem Wendepunkt, vor einem Evolutionssprung. Vor dem größten Wandel seit der industriellen Revolution, vielleicht sogar dem größten Wandel, den die Menschheit überhaupt bisher erlebt hat. Wie er genau aussehen wird, das wissen wir nicht – deshalb nennen wir ihn doch einfach erstmal den großen Wandel.
http://www.sein.de/gesellschaft/zusammenleben/2010/der-grosse-wandel-die-groesste-bewegung-aller-zeiten.html
Die Welt steht an einem Wendepunkt, vor einem Evolutionssprung. Vor dem größten Wandel seit der industriellen Revolution, vielleicht sogar dem größten Wandel, den die Menschheit überhaupt bisher erlebt hat. Wie er genau aussehen wird, das wissen wir nicht – deshalb nennen wir ihn doch einfach erstmal den großen Wandel.
http://www.sein.de/gesellschaft/zusammenleben/2010/der-grosse-wandel-die-groesste-bewegung-aller-zeiten.html
Ich bete dafür, dass es nicht noch mehr unschuldige Opfer gibt; aber Ägypten wird nie mehr wie vorher sein.
Die bisherigen Ereignisse (siehe auch weiter unten Augenzeugenberichte des deutschen Bloggers Richard Gutjahr) belegen: diese Bewegung des ägyptischen Volkes passt nicht in die alten Schablonen von Demonstrationen und Volksaufständen. sie ist von unbeugsamer Standhaftigkeit des ganzen Volkes geprägt ohne dabei auf “Angriffsaktionen” zu setzen. Wäre es anders, wäre die Forderung Mubarak muss weg also das System Mubarak muss weg (denn das ist gemeint)
nicht die Forderung des ganzen Volkes, dann wären schon längst irgendwelche neuen Marionetten am Ruder. Die Eliten suchen verzweifelt nach einer Möglichkeit, dass Volk hinters Licht zu führen, und sie werden keine finden.
Ich denke man kann es am ehesten mit der Standhaftigkeit des indischen Volkes unter Gandhi oder mit der Standhaftigkeit der Südafrikaner gegen die Apartheid vergleichen. diese Bewegung des ägyptischen Volkes wird einen langen Atem brauchen und ich glaube sie werden ihn haben. Bei jedem Menschen und bei jedem Volk gibt es einen Punkt ohne Umkehr (point of no return), und der ist in Ägypten erreicht. Im Moment scheint es, als ob Mubarak Teile (Personen) seines Systems opfert, um das System selbst aber zu retten. Aber mit dieser Täuschung wird er nicht durch kommen. Die Menschen wissen aus leidvoller Erfahrung, dass das System selbst das größte Hindernis für ein menschenwürdiges Leben ist: ihre Forderung Mubarak muss weg heißt übersetzt das System Mubarak muss weg. Insoweit sind sie erheblich weiter als wir in Deutschland, wo die Leute meinen, durch Abwahl irgendwelcher Politikermarionetten würde sich was ändern.
nicht die Forderung des ganzen Volkes, dann wären schon längst irgendwelche neuen Marionetten am Ruder. Die Eliten suchen verzweifelt nach einer Möglichkeit, dass Volk hinters Licht zu führen, und sie werden keine finden.
Ich denke man kann es am ehesten mit der Standhaftigkeit des indischen Volkes unter Gandhi oder mit der Standhaftigkeit der Südafrikaner gegen die Apartheid vergleichen. diese Bewegung des ägyptischen Volkes wird einen langen Atem brauchen und ich glaube sie werden ihn haben. Bei jedem Menschen und bei jedem Volk gibt es einen Punkt ohne Umkehr (point of no return), und der ist in Ägypten erreicht. Im Moment scheint es, als ob Mubarak Teile (Personen) seines Systems opfert, um das System selbst aber zu retten. Aber mit dieser Täuschung wird er nicht durch kommen. Die Menschen wissen aus leidvoller Erfahrung, dass das System selbst das größte Hindernis für ein menschenwürdiges Leben ist: ihre Forderung Mubarak muss weg heißt übersetzt das System Mubarak muss weg. Insoweit sind sie erheblich weiter als wir in Deutschland, wo die Leute meinen, durch Abwahl irgendwelcher Politikermarionetten würde sich was ändern.
Ich habe gerade (20 Uhr am 5. Februar 2011) auf
http://www.tv14.net/press-tv-english/
in die Übertragung des iranischen TV reingeschaut. (Meiner Meinung nach informativer als Al Jazeera! Viele Interviews mit Vertretern der Volksbewegung und Muslim Brotherhood)
Dort wurde die Frage diskutiert, dass diese Bewegung keine Führung hat. Wir sind in der Vorstellung groß geworden, dass ohne Führung es nicht ginge. Vielleicht sollten wir uns von dieser Vorstellung, Einzelpersonen machen Geschichte, lösen. Wahrscheinlich ist nämlich das Fehlen von Führern, was alle als Schwäche auslegen gerade die Stärke dieser völlig neuartigen Volksbewegung. Übrigens genau dieses bereitet den Herrschenden schlaflose Nächte.
Es ist tatsächlich eine Evolution im Bewußtsein der Menschheit, wenn die Menschen endlich anfangen ohne Führung ihre Angelegenheiten zum Wohle aller zu organisieren. Die 50 Billionen Zellen im menschlichen Körper arbeiten auch ohne Führung höchst intelligent zusammen zum Wohle aller, wenn unser Kopf (Verstand) nicht dazwischen funkt.
(siehe dazu unter Buchtip: Leseprobe zu "Intelligente Zellen" und "Die spontane Evolution")
http://www.tv14.net/press-tv-english/
in die Übertragung des iranischen TV reingeschaut. (Meiner Meinung nach informativer als Al Jazeera! Viele Interviews mit Vertretern der Volksbewegung und Muslim Brotherhood)
Dort wurde die Frage diskutiert, dass diese Bewegung keine Führung hat. Wir sind in der Vorstellung groß geworden, dass ohne Führung es nicht ginge. Vielleicht sollten wir uns von dieser Vorstellung, Einzelpersonen machen Geschichte, lösen. Wahrscheinlich ist nämlich das Fehlen von Führern, was alle als Schwäche auslegen gerade die Stärke dieser völlig neuartigen Volksbewegung. Übrigens genau dieses bereitet den Herrschenden schlaflose Nächte.
Es ist tatsächlich eine Evolution im Bewußtsein der Menschheit, wenn die Menschen endlich anfangen ohne Führung ihre Angelegenheiten zum Wohle aller zu organisieren. Die 50 Billionen Zellen im menschlichen Körper arbeiten auch ohne Führung höchst intelligent zusammen zum Wohle aller, wenn unser Kopf (Verstand) nicht dazwischen funkt.
(siehe dazu unter Buchtip: Leseprobe zu "Intelligente Zellen" und "Die spontane Evolution")
Unter der Überschrift läßt der Guardian (England) die ägyptischen Demonstranten ausführlich zu Worte kommen:
Mubarak ist immer noch da, aber da ist eine Revolution in unserer Einstellung, sagen Protestler:
Mubarak ist immer noch da, aber da ist eine Revolution in unserer Einstellung, sagen Protestler:
Mahmoud, ein 35-jähriger Lehrer spricht von einer Revolution, aber damit meint er nicht so sehr die Leute auf der Strasse, die eine verhaßte Person stürzen wollen als wie sie ihr Verhältnis zu ihrer Regierung und zukünftigen Regierungen sehen.
„Die Menschen haben sich geändert. Sie fürchteten sich. Sie fürchten sich nicht mehr. Wir fürchten uns nicht mehr vor seinem System und als wir aufhörten uns zu fürchten wußten wir dass wir gewinnen können.“ Sagte er. „ Wir werden uns nicht mehr erlauben uns vor einer Regierung zu fürchten. Wir werden uns nicht mehr fürchten auszusprechen, dass wir denken der Präsident ist faalsch oder die Regierung ist schlecht. Dies ist die Revolution in unserem Land, die Revolution in unserer Einstellung. Mubarak mag bleiben für Tage oder Wochen aber das kann er nicht ändern. Wir können nicht zurück (zu unserer alten Einstellung).“
http://www.guardian.co.uk/world/2011/feb/05/cairo-protests-hosni-mubarak-egypt
Das iranische Fernsehen bringt durchgehend Berichte aus Ägypten mit vielen Stimmen aus der Volksbewegung selbst.
http://www.tv14.net/de/press-tv-english/
„Die Menschen haben sich geändert. Sie fürchteten sich. Sie fürchten sich nicht mehr. Wir fürchten uns nicht mehr vor seinem System und als wir aufhörten uns zu fürchten wußten wir dass wir gewinnen können.“ Sagte er. „ Wir werden uns nicht mehr erlauben uns vor einer Regierung zu fürchten. Wir werden uns nicht mehr fürchten auszusprechen, dass wir denken der Präsident ist faalsch oder die Regierung ist schlecht. Dies ist die Revolution in unserem Land, die Revolution in unserer Einstellung. Mubarak mag bleiben für Tage oder Wochen aber das kann er nicht ändern. Wir können nicht zurück (zu unserer alten Einstellung).“
http://www.guardian.co.uk/world/2011/feb/05/cairo-protests-hosni-mubarak-egypt
Das iranische Fernsehen bringt durchgehend Berichte aus Ägypten mit vielen Stimmen aus der Volksbewegung selbst.
http://www.tv14.net/de/press-tv-english/
Richard Gutjahr ist zurück. Am vergangenen Wochenende hat sich der freie Journalist und Blogger auf gemacht, um auf eigene Faust aus Kairo zu berichten. Er hat seine Leser per Twitter, Blog und Flickr informiert.
Richard Gutjahr berichtet:
Ich hasse es, wenn ich Vorurteile beerdigen muss, aber in mancherlei Hinsicht bin ich von den Demonstranten überrascht worden. So ist die ganze Veranstaltung besser organisiert, als es auf dem ersten Blick den Anschein hat. Für die Notdurft zum Beispiel gab es von Beginn an eigene Bereiche, auch zum Waschen wurden gesonderte Plätze eingerichtet. Rund um die Uhr sind Dutzende Freiwillige in Aktion: sie sammeln Müll und Unrat von der Straße auf und häufen die Säcke an zugewiesenen Flächen auf. Nur so ist es möglich, dass die Menschen auch eine Woche nach Beginn der Proteste nicht an ihrem eigenen Dreck ersticken.
Mit Beginn der Demonstrationen haben die Organisatoren ausserdem eine eigene ärztliche Notfall-Versorgung aufgebaut. Rund 40 Ärzte aus den umliegenden Krankenhäusern kümmern sich noch an Ort und Stelle um Kreislaufattacken, Verstauchungen oder, wie am vergangenen Freitag, um Schusswunden. Ahmed und Mohamed halten das für selbstverständlich und sagen: die Menschen hier seien doch alles Brüder und Schwestern.
Auch ihre Sicherheit haben die Demonstranten in die eigenen Hände genommen. Mussten sie wohl auch, denn gerade in den ersten Tagen hatten Mubaraks Leute wohl immer wieder versucht, die Veranstaltung zu unterlaufen. Erinnert Ihr Euch noch an meine Begegnung mit den beiden Schuljungen, die bei meiner Ankunft am Tahrir-Platz meinen Ausweis sehen wollten? Heute weiß ich, was es damit auf sich hat: die Organisatoren haben mit dem Militär einen Deal: Zivilfahnder passen unmittelbar hinter den Militärcheckpoints alle Neuankömmlinge ab, verlangen Ausweise, kontrollieren Taschen. Sobald ein Mubarak-Sympathisant als solcher identifiziert wurde, werden die Soldaten eingeschaltet. Dir kümmern sich dann um das Problem.
Man muss sich das einmal vorstellen: 1-2 Millionen Menschen, dicht gedrängt auf einem Haufen und es kommt zu keinerlei nennenswerten Ausschreitungen – was für eine Bilanz! Die Toten vom vergangenen Freitag seien unvermeidbar gewesen, meint Tighe aus Los Angeles. Der Friedensaktivist, der vom ersten Tag an hier am Tahrir-Platz mit dabei war, ist sogar der Meinung, dass es ohne diesen massiven Einsatz von Gewalt nicht gelungen wäre, Mubaraks Machtapparat zu brechen. Mit dieser Gegenwehr durch die Demonstranten hatte man wohl nicht gerechnet. Nur so waren friedliche Kundgebungen überhaupt erst möglich.
Seine Augenzeugenberichte aus Kairo findet ihr hier:
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Eine Analyse der gesellschaftlichen Kräfte in Ägypten, insbesondere der Rolle der Armee von
Analyse der Situation in Ägypten
Warum Mubarak am Ende ist
In Ägypten kämpft nicht nur die Jugend gegen die alte Garde der Diktatur. Die Dynamik des Aufstands wird auch von Polizei, Militär, Geheim- und Sicherheitsdiensten befeuert. Sie alle haben ihre eigene Geschichte, ihre Kultur, ihre Bindungen und Einkommensquellen. Eine Analyse der aktuellen Kräfteverhältnisse am Nil.
"In den letzten Jahren hat das ägyptische Militär kollektiv ein wachsendes nationales Pflichtgefühl entwickelt und zugleich ein Gefühl tiefster Scham angesichts seiner, wie es dies empfindet, „kastrierten Männlichkeit“, weil es nicht für das eigene Volk eintritt. Die nationalistischen Streitkräfte möchten ihre Ehre wiederherstellen und sind angewidert von der Korruption der Polizei und der Brutalität der baltagiya. Und wie es scheint, verstehen die „Nationalkapitalisten“ des Militärs sich als Erzrivalen der neoliberalen „Spezikapitalisten“ im Umkreis des Mubarak-Sohns Gamal, die alles privatisieren, was sie in die Hände bekommen können, und die Besitztümer des Landes an Investoren aus China, Amerika und den Golfstaaten verkaufen.
So wird verständlich, warum wir in der ersten Phase dieser Revolution am Freitag, dem 28. Januar, einen sehr raschen Staatsstreich des Militärs gegen Polizei und Sicherheitsdienst erlebt haben, der zum Verschwinden Gamal Mubaraks (des Sohns) und des verhassten Innenministers Habib el Adly führte. Doch das Militär ist seinerseits aufgrund einiger innerer Widersprüche gespalten. Innerhalb der Streitkräfte gibt es zwei Elitezweige, die Präsidentengarde und die Luftwaffe. Sie blieben Mubarak enger verbunden, während die übrigen Teile des Militärs sich gegen ihn wendeten.
So ist auch zu erklären, weshalb der Generalstabschef der Streitkräfte, Muhammad Tantawi, am 30. Januar zu den Demonstranten ging und ihnen seine Unterstützung signalisierte, während zugleich der Luftwaffenchef zu Mubaraks neuem Ministerpräsidenten ernannt wurde und Flugzeuge losschickte, um die Demonstranten einzuschüchtern. Es erklärt außerdem, weshalb die Präsidentengarde das Gebäude des staatlichen Fernsehens beschützte und am 28. Januar gegen die Demonstranten vorging, statt sich an deren Seite zu stellen."

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